Übersicht Peer to Peer Learning: 8 Methoden für Unternehmen im Überblick Erstellt am: 5. Juni 2023 Zuletzt aktualisiert am: 18. September 2026 Redaktion Teilen auf: Wichtigste Erkenntnisse Kern der Methode: Peer to Peer Learning ist ein Lernprozess zwischen mindestens zwei gleichrangigen Personen, in dem beide gleichzeitig lehren und lernen. Entscheidend ist die Gleichrangigkeit, nicht das Thema und nicht die Hierarchieebene. Acht Formate, klar unterscheidbar: Buddy-System, Lerntandem, kollegiale Fallberatung, Lunch & Learn, Peer Teaching, Community of Practice, Job Shadowing und die Lerngruppe zum Onlinekurs – jedes mit eigenem Ablauf und eigenem Einsatzzweck. Kollegiale Fallberatung ist das strukturierteste Format: sechs Phasen, feste Rollen, 35 bis 45 Minuten pro Fall, fünf bis zehn Teilnehmende. Wer Peer Coaching sucht, sucht in Deutschland dieses Format. Peer heißt nicht Kollege: „Peer“ bedeutet Gleichgestellter oder Ebenbürtiger. Kolleginnen und Kollegen sind der häufigste Anwendungsfall, nicht die Übersetzung. Die Evidenz ist gut, aber nicht aus dem Unternehmen: Belastbare Wirksamkeitszahlen stammen aus Hochschul- und Ausbildungskontexten. Für den betrieblichen Einsatz gibt es keine vergleichbare Metaanalyse – wer das behauptet, überträgt. Peer Learning ersetzt kein Curriculum: Es wirkt am besten aufsetzend – auf einem gemeinsamen Wissensstand, den alle Beteiligten vorher erworben haben. Peer to Peer Learning bedeutet, dass Mitarbeitende auf gleicher Augenhöhe voneinander lernen – ohne Trainer, ohne Hierarchie, mit direktem Praxisbezug. Die Frage ist selten, ob das sinnvoll ist. Die Frage ist, in welchem Format. Dieser Beitrag stellt acht Methoden für Peer to Peer Learning im Unternehmen vor, jede mit Ablauf, Gruppengröße und Einsatzzweck, und zeigt, was die Forschung tatsächlich belegt. Inhalt 1. Was ist Peer to Peer Learning?2. Peer Learning auf Deutsch: welche Begriffe stimmen?3. Welche Methoden gibt es? 8 Formate im Überblick4. Kollegiale Fallberatung: Peer Coaching in sechs Phasen5. Wie wirksam ist Peer Learning wirklich?6. Wie führen Sie Peer to Peer Learning ein?7. Welche Rolle spielt ein LMS beim Peer Learning?8. Was gilt in Schule, Hochschule und Sprachunterricht?9. Fazit und nächste Schritte10. Häufige Fragen Was ist Peer to Peer Learning? Peer to Peer Learning ist ein Lernprozess zwischen mindestens zwei gleichrangigen Personen, in dem beide gleichzeitig lehren und lernen. Die Bildungsforschung fasst es als „einen unter mindestens zwei gleichrangig gestellten Personen (Peers) stattfindenden und reziprok ausgerichteten Lernprozess, der ein Lernen von- und miteinander auf Augenhöhe ermöglicht“. Drei Merkmale machen es aus: Gleichrangigkeit. Niemand hat in der Lernsituation mehr Entscheidungsgewalt als die anderen – auch nicht die Person, die moderiert. Reziprozität. Der Wissensfluss geht in beide Richtungen. Wer nur erklärt und nichts mitnimmt, macht Mentoring, nicht Peer Learning. Aufgabenorientierung. Es geht um praktische Fähigkeiten, die im Arbeitsalltag angewendet werden, nicht um Theorievermittlung. Damit ist Peer to Peer Learning eine Form des sozialen Lernens – verwandt mit, aber nicht identisch zu Mentoring, Coaching oder Supervision. Der Unterschied liegt jedes Mal in der Symmetrie. Peer Learning auf Deutsch: welche Begriffe stimmen? Eine häufig gesuchte und selten korrekt beantwortete Frage. Kurz: „Peer“ bedeutet Gleichgestellter, Gleichrangiger oder Ebenbürtiger – nicht „Kollege“. Kolleginnen und Kollegen sind im Unternehmen der häufigste Anwendungsfall, aber das ist die Anwendung, nicht die Übersetzung. Das definierende Merkmal ist die Gleichrangigkeit, und die kann auch zwischen Personen aus verschiedenen Abteilungen oder Unternehmen bestehen. Eine feste deutsche Entsprechung für „Peer Learning“ hat sich nicht durchgesetzt. In der Fachliteratur wird meist der englische Begriff verwendet und umschrieben – als „Lernen von Gleich zu Gleich“ oder „Lernen von- und miteinander auf Augenhöhe“. Im Schul- und Lehrpersonalkontext ist zusätzlich „kollegialer Austausch“ beziehungsweise „kollegiales Lernen“ etabliert. Für die betriebliche Praxis heißt das: Suchen Sie nicht nach dem einen deutschen Wort, sondern nach dem Format. „Kollegiale Fallberatung“ oder „Lerntandem“ sagen konkret, was passiert – „Peer Learning“ sagt nur, wer beteiligt ist. Welche Methoden gibt es? 8 Formate im Überblick Die acht Formate unterscheiden sich in Gruppengröße, Struktur und Einsatzzweck. Sie lassen sich kombinieren, aber nicht beliebig ersetzen. FormatPersonenStrukturPasst fürBuddy-System2locker, über WochenOnboardingLerntandem2fester Rhythmus, Zeit geteiltgezielter KompetenzaufbauKollegiale Fallberatung5–10sechs Phasen, feste Rollenkonkrete PraxisproblemeLunch & Learnoffenmax. eine Stunde, ein VortragWissensverbreitungPeer TeachingGruppeKonzeptfrage, Diskussion, AbstimmungWissenssicherungCommunity of Practiceoffen, dauerhaftselbstorganisiertFachexpertise über AbteilungenJob Shadowing2begrenzter Zeitraum, BegleitungPerspektivwechselLerngruppe zum Onlinekurs3–8an Kursstruktur gekoppeltPflichtschulungen, Lerntransfer 1. Buddy-System Ein neues Teammitglied wird mit einer erfahrenen Person zusammengebracht, meist aus derselben Abteilung. Die Buddy-Rolle deckt fachliche Einarbeitung und soziale Integration ab: Abläufe erklären, Kontakte herstellen, ungeschriebene Regeln übersetzen. Das Format ist als betriebliches Eingliederungsinstrument etabliert und in der Personalliteratur unter „Patensystem“ beschrieben. Wichtig zur Ehrlichkeit: Ein systematisches Review zum formalen Onboarding stellt fest, dass die Buddy-Zuordnung in Ratgeberliteratur durchgängig empfohlen wird, in den eingeschlossenen Studien aber nicht isoliert getestet wurde. Das Format ist gut definiert – seine Wirkung ist nicht beziffert. Wie sich Onboarding insgesamt strukturieren lässt, beschreibt unser Beitrag zu Preboarding und Onboarding. 2. Lerntandem Zwei Personen mit unterschiedlichen Kompetenzen arbeiten über einen festen Zeitraum zusammen und bringen sich gegenseitig etwas bei. Das Lernen entsteht aus der Differenz: unterschiedliche Erfahrungen, unterschiedliche Perspektiven. Beide sind gleichzeitig lehrend und lernend. Die Erwachsenenbildung nennt zwei Erfolgsbedingungen. Erstens die Gegenseitigkeit – die Zeit wird geteilt, je eine Hälfte pro Person. Zweitens die gegenseitige Anerkennung als kompetent: Nur wenn beide Seiten als kompetent akzeptiert werden, entsteht symmetrische Kommunikation. Kippt das, wird aus dem Tandem stilles Mentoring. 3. Kollegiale Fallberatung Das strukturierteste Format und der eigentliche Kern von Peer Coaching im deutschsprachigen Raum. Eigener Abschnitt weiter unten. 4. Lunch & Learn Eine kurze Veranstaltung über Mittag, in der Beschäftigte über ihren Arbeitsbereich berichten oder einen Fachvortrag halten, gefolgt von Diskussion. Die Dauer liegt in der Fachliteratur bei maximal einer Stunde. Im englischsprachigen Raum heißt das Format „Brown Bag Meeting“ – nach der Papiertüte, in der das Mittagessen mitgebracht wird. Stärke: niedrige Hürde, keine Vorbereitungszeit für die Teilnehmenden. Schwäche: Es ist Wissensverbreitung, nicht Kompetenzaufbau. Wer damit Pflichtschulungen abbilden will, produziert keine Nachweise. 5. Peer Teaching mit Konzeptfragen Das methodisch am besten untersuchte Format. Der Ablauf: kurzer Input, dann eine Konzeptfrage, auf die alle zunächst allein antworten und abstimmen. Danach zwei bis vier Minuten Diskussion mit den Nachbarn, in denen sich die Beteiligten gegenseitig von ihrer Antwort überzeugen sollen. Anschließend wird erneut abgestimmt und aufgelöst. Der Reiz liegt im Zwang zur Begründung: Wer seine Antwort verteidigen muss, merkt, ob er sie versteht. In der Ursprungsuntersuchung von Eric Mazur an der Harvard-Physik wechselten nach der Peer-Diskussion fast die Hälfte der Antworten zur richtigen Lösung, während nur 6 Prozent von richtig zu falsch kippten. 6. Community of Practice Eine dauerhafte, selbstorganisierte Gruppe rund um ein Fachgebiet. Etienne Wenger und Kollegen definieren sie als Gruppe von Menschen, die ein gemeinsames Anliegen, eine Problemstellung oder eine Leidenschaft für ein Thema teilen und ihr Wissen darin durch fortlaufende Interaktion vertiefen. Konstitutiv sind drei Elemente: das gemeinsame Themengebiet, die Gemeinschaft mit ihren Beziehungen und die gemeinsame Praxis – also das geteilte Repertoire aus Erfahrungen, Werkzeugen und Lösungswegen. Im Unternehmen entsteht so etwas oft von selbst und ohne Namen. Der Unterschied zur bewussten Community of Practice ist, dass letztere Zeit, Ort und ein Minimum an Struktur bekommt. 7. Job Shadowing Eine Person begleitet über einen begrenzten Zeitraum eine Kollegin oder einen Kollegen im Arbeitsalltag – im eigenen Unternehmen oder außerhalb. Ziel ist der praktische Einblick in andere oder ähnliche Arbeitsbereiche, um bereichsübergreifende Fähigkeiten zu erweitern. Das deutsche Äquivalent ist die Hospitation, etabliert vor allem in Lehrerausbildung, Medizin und Journalismus. Stärke: Es zeigt Zusammenhänge, die in keiner Prozessdokumentation stehen. Schwäche: Der Aufwand ist real, weil zwei Personen gleichzeitig gebunden sind. 8. Lerngruppe zum Onlinekurs Mehrere Personen absolvieren denselben Kurs und treffen sich, um das Gelernte zu diskutieren und anzuwenden. Das ist das Format mit der besten Anschlussfähigkeit an bestehende Weiterbildung, weil der gemeinsame Wissensstand nicht im Termin erarbeitet werden muss, sondern vorher steht. Genau hier liegt der Unterschied zu allen anderen Formaten: Peer Learning setzt einen gemeinsamen Ausgangspunkt voraus. Ohne ihn diskutieren Menschen mit unterschiedlichem Wissensstand aneinander vorbei. Mehr dazu im Abschnitt zur Rolle des LMS. Kollegiale Fallberatung: Peer Coaching in sechs Phasen Wer im deutschsprachigen Raum nach Peer Coaching sucht, sucht in der Sache dieses Format. Kollegiale Fallberatung ist Beratung unter beruflich Gleichgestellten, ohne externe Fachperson, mit wechselnden Rollen und festem Ablauf. Das am häufigsten zitierte Modell stammt von Kim-Oliver Tietze und arbeitet in sechs Phasen. Die Zeitangaben stammen aus Anwendungsleitfäden, die dieses Modell umsetzen: Casting. Die Rollen werden verteilt: Fallerzähler, Moderation, Beratergruppe, optional Protokoll und Prozessbeobachtung. Rund fünf Minuten. Spontanbericht. Der Fallerzähler schildert die Situation, ohne Unterbrechung. Etwa zehn bis zwölf Minuten. Schlüsselfrage. Aus dem Bericht wird die eine Frage formuliert, auf die Beratung gewünscht ist. Rund fünf Minuten – und die anspruchsvollste Phase, weil sie das Anliegen scharf machen muss. Methodenwahl. Die Gruppe entscheidet, wie beraten wird. Rund fünf Minuten. Beratung. Die Beratergruppe entwickelt Perspektiven und Ideen, der Fallerzähler hört zunächst zu. Etwa zehn bis zwölf Minuten. Abschluss und Ausblick. Der Fallerzähler benennt, was er mitnimmt und was er als Nächstes tut. Rahmenbedingungen, wie sie in Anwendungsleitfäden zu diesem Modell genannt werden: fünf bis zehn feste Teilnehmende, 35 bis 45 Minuten pro Fall. Ein alternatives Sechs-Stufen-Modell hat Eric Lippmann unter dem Namen Intervision vorgelegt; es arbeitet stärker mit Situationsanalyse und Hypothesenbildung und empfiehlt etwa sechs Teilnehmende. Ein einziges kanonisches Modell gibt es also nicht – wer eines einführt, sollte sich für eines entscheiden und dabei bleiben. Abgrenzung zu Supervision, Intervision und Mentoring Supervision braucht eine externe, qualifizierte Fachperson und eignet sich besser für Teamkonflikte. Kollegiale Fallberatung arbeitet ohne externe Begleitung und besser bei sachlichen Praxisfragen. Intervision ist weitgehend ein Synonym für kollegiale Beratung – international gebräuchlich, im deutschen Sprachraum seltener. Mentoring ist asymmetrisch: Eine erfahrene Person gibt Wissen an eine unerfahrene weiter. Bei kollegialer Fallberatung beraten Gleichgestellte mit wechselnden Rollen. Wie sich Coaching-Formate im Unternehmen einordnen lassen, beschreibt unser Beitrag zum Mitarbeiter-Coaching. Wie wirksam ist Peer Learning wirklich? Hier ist Vorsicht angebracht, weil in der Weiterbildungsbranche viel behauptet wird. Was belegt ist. Eine Metaanalyse über 225 Studien zu aktiven Lernformaten in Naturwissenschaft, Technik und Mathematik fand eine Leistungssteigerung von 0,47 Standardabweichungen gegenüber der klassischen Vorlesung, entsprechend rund sechs Prozentpunkten in der Durchschnittsnote; die Durchfallquote lag bei 21,8 gegenüber 33,8 Prozent. Peer-Diskussionsformate fallen in diese Kategorie. Für Peer Teaching mit Konzeptfragen speziell zeigt die Langzeitbeobachtung von Crouch und Mazur einen Anstieg des normalisierten Lernzuwachses im Force Concept Inventory von 0,25 auf 0,49 nach Einführung und 0,74 im weiteren Verlauf. Was das nicht belegt. Beide Quellen untersuchen Studierende, nicht Beschäftigte. Die Mazur-Zahlen sind eine Vorher-Nachher-Beobachtung an einem Physikkurs, keine kontrollierte Studie. Eine belastbare Metaanalyse zu Peer Learning speziell im betrieblichen Kontext existiert nicht – wer Hochschulzahlen auf Unternehmen überträgt, interpretiert. Für den Arbeitskontext gibt es immerhin Befunde zum informellen Lernen insgesamt: Eine Metaanalyse über 49 Studien mit gut 55.000 Beschäftigten fand Zusammenhänge von etwa .41 mit Wissens- und Kompetenzerwerb und .42 mit Arbeitsleistung. Das sind Korrelationen, keine kausalen Effekte, und sie betreffen informelles Lernen breit, nicht Peer Learning als Format. Was Sie besser nicht zitieren. Das 70-20-10-Modell, nach dem 70 Prozent des Lernens am Arbeitsplatz, 20 Prozent durch andere und 10 Prozent formal stattfinden. Es geht auf eine Befragung von knapp 200 Führungskräften aus den 1990er-Jahren zurück, die im Selbstbericht einschätzten, wie sie gelernt hätten. Eine wissenschaftliche Prüfung kommt zu dem Ergebnis, dass die Evidenzbasis der 70-Prozent-Regel schwach ist und darauf gestützte Personalentwicklungsentscheidungen in die Irre führen dürften. Als Erinnerung daran, dass Lernen überwiegend außerhalb formaler Trainings passiert, taugt das Modell. Als Mischungsverhältnis für ein Weiterbildungsbudget nicht. Wie führen Sie Peer to Peer Learning ein? Sechs Schritte, unabhängig vom gewählten Format: Format zum Zweck wählen. Onboarding braucht ein Buddy-System, ein wiederkehrendes Praxisproblem braucht kollegiale Fallberatung, eine Pflichtschulung braucht die Lerngruppe zum Kurs. Das ist die Entscheidung, die alle weiteren bestimmt. Moderation benennen. Auch ohne Hierarchie braucht es jemanden, der Termine organisiert, den Ablauf hält und Ansprechpartner ist. In der kollegialen Fallberatung rotiert diese Rolle bewusst. Regeln für ein sicheres Lernumfeld festlegen. Vertraulichkeit und Gleichrangigkeit sind keine Selbstläufer. Ohne die Zusage, dass niemand für Unwissen bewertet wird, entstehen keine ehrlichen Fragen – und ohne ehrliche Fragen kein Lernen. Zeit im Kalender verankern. Das häufigste Scheitern ist nicht Ablehnung, sondern Verdrängung durch Tagesgeschäft. Ein fester Termin schlägt jede Absichtserklärung. Anreize schaffen. Karrierebezogene Anreize wirken – neue Aufgaben, sichtbare Verantwortung, Berücksichtigung im Entwicklungsgespräch. Finanzielle Anreize sind in der Regel nicht nötig. Auf gemeinsamem Wissensstand aufsetzen. Peer Learning verstärkt vorhandenes Wissen, es ersetzt keine Grundlagenvermittlung. Wer eine Fallberatung ohne gemeinsame fachliche Basis ansetzt, bekommt Meinungsaustausch. Wie sich daraus dauerhaft eine Haltung im Unternehmen entwickelt, beschreibt unser Beitrag zur Lernkultur im Unternehmen. Welche Rolle spielt ein LMS beim Peer Learning? Peer Learning und Lernplattform sind kein Gegensatz, sondern greifen an einer präzisen Stelle ineinander: Das LMS liefert den gemeinsamen Ausgangspunkt, den das Peer-Format voraussetzt. Konkret heißt das drei Dinge. Erstens: Alle Beteiligten absolvieren denselben Kurs, bevor sie zusammenkommen – damit die gemeinsame Zeit für Anwendung und Diskussion frei wird, nicht für Grundlagen. Zweitens: Der Abschluss ist dokumentiert, was bei Pflichtschulungen und Unterweisungen der eigentliche Knackpunkt ist, weil ein Austauschformat allein keine Nachweise produziert. Drittens: Was in der Peer-Session an Erkenntnis entsteht, lässt sich als eigener Kurs zurückspeisen – ein Mitschnitt, eine kurze Anleitung, ein Quiz. Dass Lernen ohne Anwendung verpufft, ist der Kern des Lerntransfers – und Peer-Formate sind das naheliegendste Werkzeug dagegen. Welche Funktionen eine Plattform dafür mitbringen sollte, steht in unserem Beitrag zu Lernplattformen für Unternehmen. Was gilt in Schule, Hochschule und Sprachunterricht? Ein Hinweis zur Abgrenzung, weil dieser Beitrag auch aus dem Bildungskontext gefunden wird: In Schule, Hochschule und Sprachunterricht ist Peer Learning didaktisch weit besser ausgearbeitet als im Unternehmen. Das Sprachlern-Tandem etwa hat eine eigene Methodik mit dem Prinzip der geteilten Zeit und der Lernerautonomie, und Peer Instruction stammt aus der Hochschuldidaktik. Wer dort arbeitet, findet in der fachdidaktischen Literatur konkretere Anleitungen als hier. Alles Übrige in diesem Beitrag bezieht sich auf den Unternehmenseinsatz: Onboarding, Pflichtschulungen und Unterweisungen, Weiterbildung sowie Kunden- und Partnerschulungen. Fazit und nächste Schritte Peer to Peer Learning scheitert selten an der Idee und meistens an der Formatwahl. Die acht Formate in diesem Beitrag lösen unterschiedliche Probleme: Das Buddy-System integriert, das Lerntandem baut gezielt Kompetenz auf, die kollegiale Fallberatung löst konkrete Praxisprobleme in sechs Phasen, Lunch & Learn verbreitet Wissen, Peer Teaching sichert es, die Community of Practice hält Expertise über Abteilungsgrenzen zusammen, Job Shadowing zeigt Zusammenhänge, und die Lerngruppe zum Onlinekurs verbindet das alles mit dokumentierter Weiterbildung. Drei Schritte für den Anfang: Benennen Sie das Problem, nicht das Format. „Neue Mitarbeitende brauchen zu lange“ führt zum Buddy-System, „dieselbe Frage kommt jeden Monat“ zur Fallberatung. Setzen Sie ein Format mit einer Gruppe an, nicht drei mit dem ganzen Unternehmen. Sorgen Sie für den gemeinsamen Wissensstand vorher – sonst wird aus Peer Learning eine Besprechung. Wenn Sie den gemeinsamen Ausgangspunkt digital schaffen wollen: reteach lässt sich 14 Tage unverbindlich testen, ohne Kreditkarte. Häufig gestellte Fragen Was bedeutet Peer to Peer Learning auf Deutsch?Eine feste deutsche Entsprechung hat sich nicht durchgesetzt; in der Fachliteratur wird der englische Begriff verwendet und als „Lernen von Gleich zu Gleich“ oder „Lernen von- und miteinander auf Augenhöhe“ umschrieben. „Peer“ bedeutet Gleichgestellter oder Ebenbürtiger – nicht „Kollege“, auch wenn Kolleginnen und Kollegen im Unternehmen der häufigste Fall sind. Welche Peer-Learning-Methoden gibt es?Acht Formate haben sich im Unternehmenskontext bewährt: Buddy-System, Lerntandem, kollegiale Fallberatung, Lunch & Learn, Peer Teaching mit Konzeptfragen, Community of Practice, Job Shadowing und die Lerngruppe zum Onlinekurs. Sie unterscheiden sich in Gruppengröße, Struktur und Einsatzzweck – die Übersichtstabelle weiter oben stellt sie gegenüber. Was ist Peer Coaching und wie läuft es ab?Peer Coaching heißt im deutschsprachigen Raum kollegiale Fallberatung: Beratung unter beruflich Gleichgestellten ohne externe Fachperson. Das am häufigsten zitierte Modell arbeitet in sechs Phasen – Casting, Spontanbericht, Schlüsselfrage, Methodenwahl, Beratung, Abschluss – mit fünf bis zehn festen Teilnehmenden und 35 bis 45 Minuten pro Fall. Die Rollen rotieren von Sitzung zu Sitzung. Was ist der Unterschied zwischen Peer Learning und Mentoring?Die Symmetrie. Beim Peer Learning sind die Beteiligten gleichrangig und lernen wechselseitig voneinander; beim Mentoring gibt eine erfahrene Person Wissen an eine unerfahrene weiter. Ein Buddy-System im Onboarding liegt bewusst dazwischen: kollegial im Ton, aber im Wissensgefälle näher am Mentoring. Wie viele Personen braucht Peer to Peer Learning?Das hängt vom Format ab. Lerntandem, Buddy-System und Job Shadowing funktionieren zu zweit. Kollegiale Fallberatung wird mit fünf bis zehn festen Teilnehmenden durchgeführt, eine Lerngruppe zum Onlinekurs mit drei bis acht. Lunch & Learn und Community of Practice sind nach oben offen – dort begrenzt eher die Diskussionsfähigkeit als der Raum. Ist Peer Learning nachweislich wirksam?Für Hochschul- und Ausbildungskontexte ja: Eine Metaanalyse über 225 Studien zu aktiven Lernformaten fand deutlich bessere Prüfungsleistungen und niedrigere Durchfallquoten. Für den betrieblichen Einsatz gibt es keine vergleichbare Metaanalyse; belegt sind dort nur Zusammenhänge für informelles Lernen insgesamt. Wer Ihnen konkrete Prozentzahlen für Peer Learning im Unternehmen nennt, überträgt Zahlen aus einem anderen Kontext. vorheriger Artikel nächster Artikel Teilen auf: Das könnte außerdem für Sie interessant sein: Digital Skill Gap: 6 essenzielle digitale Kompetenzen für Mitarbeitende Die digitale Transformation fordert mehr digitale Kompetenzen von Mitarbeitern. 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